Chapter 02
Tiefsten Ängste
Krächzend parkte ich den Wagen in die Garage und betrat unser bescheidenes Haus, das zu dieser Uhrzeit leer war. Mein Vater war auf der Arbeit und meine Mom in Takoma. Meine Eltern hatten sich geschieden und meine Mutter war oft auf Geschäftsreisen und fuhr von einer in die andere Stadt. Außerdem gefiel es mir hier in Chicago.
Zuhause angekommen, lief ich in mein Zimmer, öffnete die Fenster und ließ die Sonne ins Innere des Zimmers strömen. Ich liebte den Sommer einfach…
In dem lila Top und den Jeans, die mir bis zu den Knien gingen und den Flipflops, die so schön gemütlich waren kochte ich Spagetti und machte gleichzeitig Hausaufgaben.
Nachdem ich mich also durch Philosophie und Sozialwissenschaften durchgekämpft hatte, widmete ich mich einem langen Gespräch mit meiner verräterischen besten Freundin.
>>Alice<< stöhnte ich genervt in den Hörer >>Du klangst so, als würdest du reden wollen<< sprach ich sie auf ihre SMS an.
>>Ja, Bella. Er heißt Edward Cullen und ist so irre sexy. Er saß in Spanisch neben mir und er konnte fließend Spanisch- das war so-<<
>>Sexy, hab’s mitbekommen<<
>>Und dann hat Andrew in Spanisch Tanja gefragt, ob sie mit ihm zum Frühlingsball gehen will und sie nur so ‚Mh… vielleicht‘ und hat total Edward angegafft. Sie wartet darauf, dass er sie fragt, dabei ist er erst ein paar Tage auf unserer Schule. So eine Schnepfe<< fluchte sie.
>>Willst du, dass er mit dir geht?<< grinste ich in den Hörer.
>>Hallo!?<< sagte sie ungläubig >>Natürlich will ich das<< Dabei schnaubte sie, als wäre ich die Verrückte.
>>Komm schon, der denkt bestimmt nur an Tanja und ihre Mega-Titten<< sagte ich und schlurfte dabei Spagettis.
>>Nicht jeder Junge denkt immer an Sex<<
>>Habe ich nicht gesagt: Wenn sie mal denken SOLLTEN, dann nur an Sex<< berichtigte ich sie grinsend.
>>Haha, der war gut<< lachte Alice am anderen Ende der Leitung und zog dabei ihre Rotze hoch, wie sie es immer machte, wenn sie lachte.
>>Naja, auf jeden Fall muss ich noch für eine Philosophie-Prüfung lernen. Mister Ich-hasse-Schüler macht eine mündliche Abfrage und ich wette, dass ich abgefragt werde…wie immer<<
Jaja, unser lieber Mister Monroe hatte mich auf dem Kicker.
>>Bella, hast du morgen Zeit mit mir Shoppen zu gehen?<<
>>Klar<<
***
***
Der folgende Tag war ein Donnerstag und das hieß unter anderem Latein und Chemie- meine beiden verhassten Fächer- sowie Kunst und Geografie- zwei meiner Lieblingsfächer.
Es passierte vor der ersten Stunde:
Zu meinem Glück war ich früher in der Schule und setzte mich an meinen üblichen Platz im Kunstraum, als zwei weitere Leute den Raum betraten:
Huren-Tanja und ER- Edward Cullen himself.
Ja, so viel zu meinem Glück. Also, wir waren also zu dritt in dem Kunstraum, als Tanja Denali auf mich zu ging- mit einem Zettel in der Hand.
>>Was soll das, Swan?<< sagte sie mit ihrer hohen Quietschstimme und klatschte den Zettel auf meinen Tisch, während sie ihn laut vorlas. >>“… Mit ihren spastischen Bewegungen nennen sie sich Cheerleader…“<<
>>Hm… ich glaube, mit den Worten habe ich dich beschrieben<< lächelte ich sie herausfordernd an.
>>Du kleine miese-<<
>>Ratte, wir haben’s gerafft, Tanja<< ich verdrehte die Augen und knüddelte den Zettel zusammen und warf ihn in den Mülleimer, der mitten im Weg stand.
>>Das wirst du bitter bereuen, Swan<< drohte sie mir und ihr Gesicht sah dabei von Wut verzerrt aus, was ihr übrigens überhaupt nicht stand.
>>Großartig, kannst du dann bitte aus dem Weg gehen, ich hätte gerne eine schönere Aussicht<< sagte ich taff und hob dabei das Kinn leicht hoch. Yeah, Gangsta-Masche.
Wütend blitzte sie mich an, machte kehrt und stolzierte Richtung Edward, der starr geradeaus blickte.
>>Hey, Süßer<< sagte Tanja schleimig, warf ihr Haar zurück und fuhr ihm beim Vorbeigehen mit dem Finger über die Brust. Typisch Tanja (Haha TT)
Augenverdrehend holte ich ein neues Blatt aus meiner Mappe, die ich aus der Sammlung holte und bereitete meinen Platz vor, während der Raum sich immer weiter füllte.
Mike Newton, mein Tischnachbar im Kunstraum begrüßte mich auffällig fröhlich, sodass ich mich fragte, was denn mit dem los war.
Auf jeden Fall verlief die Stunde sonst sehr gut.
Unser neues Thema war ‚Tiefste Ängste‘ und ich musste nicht lange überlegen, bis ich schon ein Bild vor Augen hatte.
Ich griff nach meinem Bleistift und zeichnete grob, wie ich das Bild gestalten würde.
Meine Ängste setzten sich zusammen aus Horror-Filmen, die konnte ich nämlich überhaupt nicht ab. Seit ich mir vor einigen Jahren einen Horror-Film angeschaut hatte, traute ich mich kaum, mir weitere anzuschauen. Der Kern dieser Angst war Freddy Krüger und seine Scherenhände in ‚A nightmare on the Elm Street‘. Apropos Scherenhände, der Film mit Johnny Depp hieß doch ‚Edward mit den Scherenhänden‘. Urkomisch, haha.
Diese Angst würde ich ihn Form eines Fernsehers, aus dem Freddy rausschaute und einem Monster oder so etwas Ähnliches darstellen.
Dann würde ich als Zeichen für meine Angst vor Hunden- Ja, ich hatte ernsthaft Angst vor Hunden. Natürlich nur vor so welchen großen, nicht vor diesen kleinen Yorkshireterriern. Obwohl die gruseligsten diese kleinen abrasierten Viecher waren- einen Hund mit scharfen Zähnen und Krallen zeichnen, der kurz davor war, jemanden zu zerfetzen.
Aber das waren nicht meine einzigen Ängste (leider nicht), denn ich hatte immer noch mächtig Schiss vor Spritzen, Piercings und solche scharfen Dinge, die man sich in die Haut rammt. Und da ich letztens (keine Ahnung, warum ich das tat) ‚The Roommate‘ geschaut habe, habe ich neuerdings auch Angst vor Teppichmessern.
The ‚Roommate‘ war ekelhaft und gleichzeitig total cool, aber - jetzt nicht lachen- an einigen Stellen hatte ich so Angst, dass ich einfach auf den Boden geguckt habe. Leider war ich alleine im Kino (ich gehe alleine ins Kino, ja!) und konnte mich an keinen gutaussehenden Typen kuscheln oder nach Alices Arm greifen oder so. Ja, erbärmlich.
Also wollte ich noch Spritzen, Piercings und Messer, die in Gliedmaßen gerammt werden, zeichnen.
Zuletzt noch eine Lache voll Blut, denn ich war nicht im Begriff Blut zu sehen, was auch der Grund dafür war, dass mir nie Blut abgenommen wurde.
Nachdem auch der Kunstunterricht vorüber war, stolperte ich beinahe über Tanjas High Heels, diese Schnepfe und bemerkte dabei Edward mit den Scherenhänden, der mich so düster angaffte, dass mir plötzlich kalt wurde und dann ging ich schnell aus dem Raum, um dieses merkwürdige Gefühl loszuwerden, was nur teilweise half, denn die Gänsehaut blieb noch einige Sekunden, aber die Erinnerung blieb länger.
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