Chapter 05
Absage
Was mein Typ war? Keine Ahnung, auf jeden Fall nicht ER.
Also, ich saß an meinem Platz im Chemieraum und wartete auf Mister Lourne, der wie immer spät kam. Deswegen hatte ich meinen Collegeblock gezückt und fing an, Sterne auf den Einband zu kritzeln. Sterne und Bögen und Ranken und all so was.
Mike saß einige Reihen hinter mir, zu meinem Glück, ließ er mich deshalb in Ruhe. Alle redeten lautstark mit ihren Tischnachbarn, wobei das Topthema natürlich immer noch dasselbe war. Plötzlich wurde es still und er betrat den Raum. Ich schaute mich um und konnte das Sabbern förmlich riechen, alle gafften ihn an. Das war total albern.
Ich würde nicht zu so etwas mutieren und deshalb beschäftigte ich mich weiter mit meinem Block, bis ich das Quietschen des Stuhls neben mir hörte.
Fuck, nee… Ich besann mich und zeichnete weiter. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass er neben mir saß. Mh… er roch wirklich gut, aber ich konnte ihn trotzdem nicht ausstehen und verstand die Schwärmereien der anderen nicht im Geringsten. So toll war er dann auch nicht.
Und wir redeten auch hier kein einziges Wort, nicht zuletzt, weil ich mich nicht traute. Ich hatte keine Angst, aber er war eh total desinteressiert und ich wollte nicht wie der letzte Loser dastehen. Oder wie Jess, die mich in diesem Augenblick hasserfüllt anblickte und mitten im Gang stehen blieb, nur um mich mit ihren Blicken zu erdolchen. Ach, fick dich, du hohle Nuss!
Es war aber schon witzig, wie erbärmlich sie da stand, nur, weil er nicht an ihrer Seite klebte. Wie bestellt und nicht abgeholt. Haha.
Trotzdem nutzte sie ihre Chance und lehnte sich an unseren Tisch und starrte ihn an >>Hey, Edward. Wir machen gerade Atome und so was in Chemie und ich komme total gut mit, wenn du willst, kannst du dich neben mich setzen und ich kann dir helfen… mit dem Stoff<<
Auffälliger ging’s nicht.
>>Chemie liegt mir gut, ich glaub, ich komme schon klar<< sagte er kalt. Aber ich bezweifelte, dass er das absichtlich tat, denn er klang immer so.
Jessica sah total gebafft aus und verzog sich in die hinteren Reihen.
Unser französischstämmige Chemie-Lehrer begrüßte Edward und fragte ihn, ob er sich vorstellen möge, dieser verneinte und es entstand eine peinliche Stille.
Jap, Edward Cullen war mysteriös. Mysteriöser als mysteriös, was ihn gleichzeitig total sexy und interessant machte. Aber er war mir und dem Rest der Schule ein Rätsel, dass man einfach nicht lösen konnte und in meinem Fall: Ein Rätsel, dass mir zu schwer war, dass ich es gar nicht erst versuchen wollte.
Mister Lourne erklärte gerade etwas über Atome in der Organik und forderte uns auf, Moleküle aus dem Kohlenstoff zu basteln, wofür er uns die Baukästen gab, die schon ziemlich runtergekommen aussahen. An jeden Tisch ein Kasten, was heißt… dass er wohl oder übel mit mir reden müsste. Wenn nicht, dann nicht. Ist mir doch egal.
CH4
Ich baute das Molekül zusammen und stellte es zwischen ihn und mich. Edward schaute es sich einige Sekunden an und nach einem kurzen Blick an die Tafel, griff er nach den Figürchen und bastelte das nächste Molekül zusammen.
Es war richtig, stellte ich fest, als es neben meinem stand. Trotzdem war die Stimmung zwischen uns, einem Friedhof ähnlich und das deprimierte mich ungemein. >>Kann ich mal…<< deutete ich auf sein etwas komplexeres Molekülgestell.
>>Klar<< sagte er schlicht und schob es mir rüber. Nett. Ich schaute es mir langsam an und stellte es wieder zurück.
Danach redeten wir nicht mehr miteinander. Ungeduldig saß ich auf meinem Platz.
Als Mister Lourne uns eine kurze Pause erlaubte, hüpfte Mike förmlich auf unseren Tisch. Kurz musterte er Edward und lächelte mich dann an. >>Hey, Bella. Ich wollte dich was fragen<<
>>Hm?<<
>>Hast du Lust… zum Frühjahrsball zu gehen…<< er lachte nervös >>mit mir<<
Neben mir regte sich nichts.
>>Ähm…<< ähmte ich dämlich. Tanzen war ganz und gar nicht meins und ich hatte nicht wirklich Lust mit Mike zu tanzen. Ich würde die ganze Zeit im falschen Takt falsche Schritte machen und mich zum Deppen machen. >>…geht nicht<< SUPER ANTWORT, SWAN!
>>Warum, bist du schon verabredet…<< er schaute kurz zu Edward.
>>Nein, ich… ich kann nicht<< log ich grottenschlecht.
>>Wirklich, das ist schade. Ich wollte dich heute Morgen fragen, aber die Gelegenheit hatte sich nicht geboten<<
>>Ja, also, ich kann nicht, tut mir leid<< ich kratzte mich am Hinterkopf >>Vielleicht… solltest du Je-<< ach ja, sie stand neuerdings auf Edward >>Nichts, nichts. Du solltest jemand anderen fragen. Sorry<<
Mike sah total niedergeschlagen aus, dass ich schon sagen wollte, ich könnte doch, aber ich blieb vernünftig. Was wollte ich auf einem dämlichen Ball?
Nach der Chemiestunde ging ich erleichtert aus dem Raum und beeilte mich, um Mike nicht zu begegnen.
Als ich an meinem Spind ankam, spürte ich, dass mir jemand simste. Ich griff nach meinem Handy. Alice.
Hat Mike dich echt nach dem Ball gefragt?
Woher wusste sie das so schnell?
Ja, woher…?
Er redet die ganze Zeit vom Ball und so. Er ist echt depri und ich kann gut schlussfolgern.
Der Arme, das wollte ich nicht.
Warum hast du nicht zugesagt, jetzt musst du alleine kommen.
Soll ich das jetzt falsch verstehen? Ich komme nicht.
WTF?
Kann nicht tanzen, das weißt du.
>>Warum kannst du nicht<< hörte ich eine tiefe Stimme hinter mir und erschrak so sehr, dass ich mein Handy fallen ließ. Mein Herz hämmerte laut und stark.
Als ich aufschaute sah ich, dass es Edward Cullen war, der übrigens mein Handy aufhob und es mir reichte. Dabei berührte ich leicht seine Hand, die rau und weich gleichzeitig war. Rau auf eine weiche Art, eben.
>>Mh…was?<< fragte ich verwirrt.
>>Warum du nicht zum Ball kannst<< meinte er und mir fiel auf, dass er mich zum ersten Mal wirklich ansprach, wie gütig von ihm. Das erste Gespräch mit dem Spind galt nicht.
Ich schüttelte den Kopf >>Es ist… kompliziert<<
>>Würdest du mit mir zum Ball gehen?<< fragte er dann und es riss mich vom Hocker. Ich kannte diesen Typen kaum, noch hatten wir je ein richtiges Gespräch geführt.
Ich presste meine Lippen aufeinander >> Ich…nein, tut mir leid<<
>>Ich gebe nicht schnell auf<< meinte er und näherte sich mir, was mein Herz zum Pochen brachte.
Was bildete er sich eigentlich ein? Dass jede ihn anbettelte, mit ihm auszugehen?
>>Dann tut es mir leid, dich enttäuschen zu müssen<< ich machte meinen Spind zu und machte kehrt. Ich hatte das Bedürfnis mit Alice zu sprechen.

