Montag, 14. Mai 2012

Chapter 04


Chapter 04
Latein-Lern-Gruppe

Tatsächlich. 

Als ich mich nach der Pause an meinen Sitzplatz neben Sandy Miller setzte und mich auf die langweiligste und toteste- gibt es dieses Wort überhaupt?- Sprache bei dem langweiligsten Lehrer vorbereitete, betrat Edward Cullen mit all seiner Gelassenheit den Raum und blieb vorne einige Sekunden stehen- während er kein einziges Mal zu mir schaute, was mir natürlich egal war- und ging durch den Gang in die Reihe hinter mir. Der Blick von Sandy Miller sagte mir, dass er genau hinter mir saß, wobei ich mich nicht umdrehen würde. Er sollte sich nicht einbilden, dass sich jeder nach ihm umsähe. Pff…

Überall wurde getuschelt unzwar über IHN und das nicht gerade leise, sodass ich mir sicher war, dass er das eine oder andere Gespräch hörte, falls es ihn interessierte. 

Dann kam Mister Brocks- die Sterbenslangweile in Person- und das Tuscheln verstummte.

Unser großartiger Lehrer musste auf „spickmich.de“ mitbekommen haben, wie schlecht man ihn auf Grund seines nicht vorhandenen Talents, Leute mit seinem Geschwafel zu bannen, bewertet hatte. Ich glaube es war ein E… Zumindest hatte ich ihn mit einem E benotet. Sehr viel gütiger in der Notengebung mir gegenüber war er ja auch nicht, also…

Naja, er musste es gecheckt haben und hatte beschlossen, uns Gruppenarbeit aufzutischen. 

Also verteilte er uns ein Kartenspiel, indem alle Piks, Herze, Kreuze und Karos zusammenkamen.

Ich hatte die Pikdame. Die Königin auf meiner Karte hatte schwarzes Haar und blasse Haut, rote Lippen und eine Art Mal oder Warze auf der Wange. Warte, seit wann hat die Pikdame eine Warze?! Scheiße, woher hat dieser Typ sein Quartett? 

Sandy hatte den Karobuben und Jessica Stanley- meine ach so liebe Freundin, die rechts hinter mir saß- hatte zu meinem Glück die Pik-acht. Ja, welch Freude.

Aber es kam noch schlimmer: Jessica quietschte rum, weil Edward Cullen den Pik-König hatte. Brady war mit der Piksieben in meiner Gruppe, Vicci, Jared, Rob und Jil waren auch in unserem Pik-Team. Wir setzten uns zusammen und bekamen einen Arbeitsauftrag für drei Wochen. 

Ich saß neben Vicci und Jil, mit denen ich mich recht gut verstand. Vicci kannte ich schon aus der Grundschule, wir waren nie richtige Freunde, aber sie kannte mich durch all meine schrägen Selbstfindungsphasen von meiner Pinky-Phase bis zu meiner Mir-ist-alles-egal-Phase. Und Jil war in der siebten in meinem Tanzkurs meine Partnerin. Rob war einer dieser Footballspieler, für die Alice so schwärmte, was ich nicht wirklich nachvollziehen konnte. Jared war einfach irgendein Typ, mit dem ich noch nie geredet hatte. Jessica war Jessica. Brady war der typische Milchbubi, der immer nett und höflich war, aber einem nie ins Auge fiel. Und dann war da, wie erwähnt Edward Cullen.

>>Okay<< Vicci übernahm die Teamführung >>Wir müssen den Text hier übersetzen, einen Grammatikteil machen und dann Satzstruktur. Wem was eher liegt, soll auch die Aufgaben übernehmen<<

>>Also, ich denke ich kann die Satzstruktur eher<< meldete sich Brady zu Wort.

>>Gut, da machen wir mit<< bestimmten Jil und Vicci.

>>Was machst du, Edward?<< fragte Jessica ihn aufdringlich und ich verspürte bei ihrem schmachtenden Blick starken Brechreiz. Edward schaute –wieder einmal- gelangweilt auf und zuckte mit den Schultern >>Ist mir egal<<

Rob wand sich an mich >>Machen wir die Grammatik?<<

>>Du meinst, ob ich sie für dich mache und du dir durch deinen Status ein Privileg erträumst?<< fragte ich ironisch. Scheiße, das sollte ich lassen, sonst würde ich mir noch weitaus mehr Feinde machen, als ich schon hatte.

Rob, der gebafft aussah, runzelte die Stirn.

>>Ja… ich mache dann mal die Satzstruktur<< sagte er vorsichtig.

>>Edward und ich können die Grammatik machen<< meinte Jessica lächelnd und schaute zu Edward, der sich die Blätter geistesabwesend anschaute.

>>Gut, dann übersetzen Bella und ich den Text<< Jared lächelte mich an und ich nickte nur.

Jessica reckte das Kinn und grinste mich spöttisch an. >>Bist du gut in dem Grammatikzeug, Edward?<<

>>Klar<< ein dahingefaseltes Wort.


Der Text, den Jared und ich behandelten drehte sich um Caeser. Um ihn und die römischen Provinzen, seine Beziehung zu Cleopatra und auch um seine Rolle als Feldherr und Konsul. Seine Pläne, ganz Gallien zu erobern.

>>Was habt schon vom Text übersetzt?<< fragte mich Jil.

>>Mh… also ‚Gallien ist in seiner Gesamtheit in drei Teile geteilt: die Aquitaner, Belger und Celten, die in der Sprache der Römer Gallier heißen. Die Belger sind die primitiven und starken, sowas wie römische Höhlenmenschen. Die Römer sind dagegen die arroganten, die mit den Kaufleuten oft in Kontakt stehen. Ja… mehr haben wir noch nicht, aber der Text ist etwas ausformulierter, als die Zusammenfassung und wesentlich langweiliger<< erzählte ich von der Übersetzung erschöpft.

>>Die Satzstruktur lief ganz okay, aber wir sind nicht ganz fertig<< meinte Brady. >>Und wie lief die Grammatik?<<

>>Geht…<< murmelte Jessica >>Habt ihr eigentlich gesehen, was Mr.Brocks für Boxershorts trägt? Die guckt aus der Hose raus.<<

>>Jess, mehr Grammatik, weniger den Lehrern auf… Ugh, zurück zum Thema. Was habt ihr?<< Vicci war total zielstrebig und nicht von der Arbeit zu bringen.

>>Joa, ich weiß nicht genau, was mit diesem Dings gemeint ist<< stammelte Jess.

>>Warum hast du dann die Grammatik ausgesucht?<< motzte Jil, die Jess aus verständlichen Gründen nicht ausstehen konnte.

>>Ach…du ka-<< doch Jess wurde unterbrochen.

>>-Wir haben alle Prädikate, Partizipkonstruktionen bestimmt und übersetzt, außerdem alle Pronomen und Subjunktionen…die Grammatiktabelle ist auch fertig<< Edward redete kaum ein Wort, aber das war das längste, was ich je aus seinem Mund gehört hatte und… es war atemberaubend dafür, dass er so desinteressiert an Schule war.

>>Das ist eine gute Nachricht, immerhin macht das 70% der Endnote aus und ich habe keinen Bock die Stufe zu wiederholen<< Vicci war total begeistert von Edward, dass konnte jeder raushören.


Dann klingelte es und ich packte meine Tasche und spürte dabei einen Blick auf mir, schaute aber nicht auf. Ohne mich umzusehen, ging ich dann aus dem Raum und merkte, dass mein Gesicht unter den Blicken geglüht hatte, wer auch immer mein Beobachter war.

Ich wollte Richtung Spind, als Jessica mich aufhielt, mich angrinste und mir nur ein Wort sagte >>Meiner<<

Aber ich wusste genau, was sie meinte und war überrascht, warum sie MIR das sagte. Es war mir egal, ob er ihr gehörte oder sonst wem.

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